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Selbstdarstellung eines Begondodensammlers

Zeit und Ort meiner Geburt habe ich vergessen; doch ist das nun auch schon sehr lange her. Aus Äußerungen von Verwandten geht hervor, daß damals stürmisches Wetter herrschte und daß irgendein Planet, dessen Namen ich gleichfalls vergessen habe, grad damit beschäftigt war, am Himmel einen ganz merkwürdigen Kringel zu beschreiben. Ob das irgendwas Besonderes zu bedeuten hat, weiß ich nicht, da man es mir nicht mitgeteilt hat.

Desgleichen sind mir Zeit und Ort meines Todes nicht bekannt

Von Beruf bin ich Mädchenhändler und Erfinder; und zwar habe ich den infolge Versagens der Zwirnfabrikanten leider nicht richtig zur Geltung kommenden unabspringbaren Knopf erfunden.

Als Hobby sammle ich Begondoden.

Was eine Begondode ist, läßt sich kaum in wenigen Worten beschreiben. Ihre Umrisse sind fließend und hängen weitgehend davon ab, auf welche Weise und mit welcher Laune wir sie betrachten. Ihre elektrische Leitfähigkeit konnte bislang nicht festgestellt werden, da sie Strom nicht mögen. Bemerkenswert ihre Reaktion auf thermische Einwirkungen: bei Temperaturerhöhung dehnen sie sich aus, ziehen sich zusammen oder explodieren. Sehr geeignet sind sie als Lockmittel für Känguruhs und Nashörner sowie für Blondinen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren; wasletzteres einen ausgesprochen günstigen Einfluß meines Hobbys auf meine berufliche Tätigkeit mit sich bringt.

Bereits Gajus Julius Caesar sammelte Begondoden. In seinem autobiographischen Werk «Commentarii de bello gallico» äußerte er sich mehrfach zu dieser Leidenschaft; jedoch strich er das aus unerfindlichen Gründen jeweils wieder durch.

Außer Caesar gab und gibt es jede Menge berühmter und prominenter Persönlichkeiten, die Begondoden sammelten und sammeln. Einzig Kant mochte sie nicht; in seiner «Kritik der reinen Vernunft» äußerte er sich kritisch dazu (zum Glück strich er das dann alles wider durch); doch ist das in seinem Fall auch nicht von Belang, da er die Begondoden mitsamt allem anderen bekanntlich in ein nur transzendental zu erschließendes Jenseits verlegte und sich somit indirekt für nicht zuständig erklärte.

Ich kann jedem nur empfehlen, Begondoden zu sammeln; denn das ist eine Beschäftigung, die alle Zeiten und alle Veränderungen unverändert überdauert. Emil-Emmanuel Krivoi-Krokovsky, der unvergessene Begondodenforscher, formulierte diese Wahrheit in folgenden Worten:

«Die Zeiten ändern sich, einzig die Begondoden bleiben.»

© Raymond Zoller
Zur russischen Fassung

Weitere Information zu den Begondoden:

Die Begondode (allgemeine Definition)

Von Begondoden, Misswahlen und Känguruhs

Die Begondoden des Gajus Julius Caesar

Die esoterische Wesenheit der Begondode