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Von Begondoden, Misswahlen und Känguruhs

Was den Katholiken Rom, den Anthroposophen Dornach und den Astronauten Cap Canaveral ist, das ist für die Begondodenforscher die australische Kleinstadt Chesterbee, wo in der Wawellah-Street, eingezwängt zwischen dem Himmelfahrtssaal der Zeugen Jehovas und dem Nachtclub Lolita, das einzige Begondodenmuseum der Welt steht.

Im Begondodenmuseum an der Wawellah-Street kann man, neben vielem anderem, die - nicht nur für Fachleute interessante - größte Begondode der Welt bewundern, die so groß ist, daß im Erdgeschoß ein ganzer Raum für sie freigemacht werden mußte. Im zweiten Stock, in einer Abteilung, die man aus unerfindlichen Gründen den "krummen Bock" nennt, liegt die zweitkleinste Begondode der Welt, welche, da kein Mensch weiß, wo die kleinste sich befindet, auch gelegentlich als die stellvertretend kleinste bezeichnet wird. Im angrenzenden Raum liegen einträchtig nebeneinander die schönste und die häßlichste Begondode der Welt. Sie sind beide genau gleich groß, und das ungeübte Auge vermag keinerlei Unterschied zwischen ihnen festzustellen. Nur dem Fachmann ist verständlich, warum die eine die schönste und die andere die häßlichste ist; und den wenigsten dürfte bekannt sein, daß aus den Eigenschaften der schönsten Begondode in einem komplizierten Verfahren die Kriterien abgeleitet wurden für die Wahl der Miss Universum. Dies ist auch der Grund, warum diese Begondode so streng bewacht wird. Ihr Verschwinden hätte für die Misswahlen verhängnisvolle Folgen; denn man muß immer wieder nachmessen und nachrechnen, damit die Kriterien von der Eichgrundlage nicht zu sehr abweichen.

Daß das einzige Begondodenmuseum der Welt ausgerechnet in Australien steht, mag auf dem ersten Blick befremden, da Begondoden, wie bekannt, in Australien sonst äußerst selten sind. Überhaupt wurde festgestellt, daß die Häufigkeit von Beuteltieren und vor allem von Känguruhs auf einer gegebenen Fläche proportional ist der Seltenheit von Begondoden; was die Wissenschaftler vor kaum zu bewältigende Rätsel stellt. Im Moskauer Gebiet zum Beispiel, wo Begondoden völlig fehlen, sind die Gelehrten seit Jahrzehnten auf vergeblicher Suche nach den entsprechenden Beuteltieren. Daß sich irgendwo noch Känguruhs versteckt halten könnten, hält man im allgemeinen nicht für wahrscheinlich; die meisten gehen davon aus, daß es sich bei dem vermißten Äquivalent um irgendwelche Beutelratten oder Beutelmäuse handeln dürfte; doch wurden auch bereits Vermutungen laut, daß eine bislang noch unbekannte Art von Beutelreptilien oder gar Beutelinsekten ihrer Entdeckung harren könnte.

Alles in allem birgt die Beziehung zwischen Begondoden und Beuteltieren die tiefsten wissenschaftlichen Rätsel, welche die Forscher vor die größten Probleme stellen und nicht wenige in finsterste Verzweiflung stürzen; und sicher entbehrt es nicht eines bedeutsamen Grundes, daß das einzige Begondodenmuseum der Welt ausgerechnet in Australien steht.

Weitere Information zu den Begondoden:

Die Begondode (allgemeine Definition)

Selbstdarstellung eines Begondodensammlers

Die Begondoden des Gajus Julius Caesar

Die esoterische Wesenheit der Begondode

© Raymond Zoller