Eingang Klamurke Klamurkosophisches

Von lebenden
und von eingegossenen
Libellen

Aus vorklamurkischen Zeiten

- Seite 8 -

Nachbemerkung

Raymond Zoller,
am 11. August 1983

Wer mich näher kennt, weiß, daß dies nicht die erste Korrespondenz ist, die ich veröffentliche oder an deren Veröffentlichung ich beteiligt bin.

Vor gut zwei Jahren begann ich massiv mit Versuchen, meine verworrene Lage schreibend zu klären (Anfang 1981 war das); nach einer halbjährigen Anlaufzeit erschienen dann (mal rein äußerlich betrachtet) zunächst ein paar Aufsätze, die zum Teil im „Jedermann“ veröffentlicht wurden.

Im September gleichen Jahres gab ich dann, unter der Bezeichnung „Mappe“, eine Textsammlung heraus (aus meiner und an derer Feder); später folgten noch ein paar kleinere Sachen.

Veröffentlichen tat ich vor allem in der Hoffnung, solche Texte könnten – wie ich mich damals in der Vorbemerkung zur „Mappe“ ausdrückte – Initialzündung sein, um „aus dem konkreten Bemühen, aus dem Ringen um geistige Freiheit heraus“ in Erfahrungsaustausch zu kommen.

Das entwickelte sich zwar dann bei weitem nicht in dem Umfange, wie ich es mir erwartet hatte (reagierte damals recht sauer auf das schwache Echo; daß zu dem, was ich anstrebte, unbedingt eine freilassende Haltung gehört, hatte ich damals noch nicht kapiert); aber immerhin: aus dieser Veröffentlichung ergaben sich interessante und weiterführende Begegnungen, Gespräche, Korrespondenzen; und einiges aus den auf diese Weise zustandegekommenen Korrespondenzen floss dann in weitere Veröffentlichungen ein. (Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Korrespondenzen stellen nur die äußere Seite dar. Das Wesentliche liegt nicht in dem, was auf dem Papier steht oder was aufs Papier kommt, sondern in der Entwicklung und Horizonterweiterung der Beteiligten.)

Für die Ewigkeit bestimmt sind solche Veröffentlichungen nicht. Sie entstammen der Feder von Menschen, die in Lebenskrisen stecken; und von Interesse sind sie nur für die, die ähnliches durchlaufen oder durchlaufen haben. Keineswegs wird künstlerischer Wert beansprucht; der Wert solcher Veröffentlichungen erschöpft sich in der Anregung und Hilfestellung, die sie sein können. Wer nichts damit anzufangen weiß – von dem „erwarten wir weder Anerkennung noch Zustimmung“.

Bei der Auswahl der zu veröffentlichenden Stellen mussten wir uns an einen gewissen „roten Faden“ halten, damit die Sache nicht überbordet. Zum Teil ging das leider auf Kosten solcher Stellen, in denen das spontane Ringen am deutlichsten zum Ausdruck kommt. Bei Gesprächen mit Freunden unmittelbar nach Fertigstellung des Hauptteils des Layouts wurde deutlich, daß die Zusammenstellung trotz allem noch eine gewisse belehrende „ex cathedra“ – Atmosphäre atmet… Zum Beispiel hätte folgende Stelle, die zwei Abschnitte vor dem auf Seite 5 abgedruckten Brief vom am 29. April 1982 steht, den lehrhaften Ton des Absatzes wesentlich gemildert:

„Das mit den eingegossenen Libellen habe ich vor etwa 7 Jahren geschrieben, als ich unter diesen Problemen litt und nicht mit ihnen klarkam. Ich sah, wie ich mich immer wieder in von mir selbst Ausgedachtem verhedderte und hatte nicht die Geistesgegenwart, mich davor zu bewahren. Damals fingen die Versuche an, das Problem selbst zur Darstellung zu bringen.“

Doch ist erstens das Layout in seinem Hauptteil nun mal fertig, und wir haben keine Zeit, alles neu zu überdenken, zu gestalten und abzuschreiben; und zweitens soll das „Werk“ rein aus finanziellen Erwägungen heraus nicht gar zu umfangreich werden.

Gedankenbuch

Raymond Zoller