Eingang Klamurke
...denn wir sind alle Geschöpfe unserer Zeit.
Und wo wir es nicht sind, ist das allein unser Verdienst.
(Wilhelm von Dorten)

Diese Aufgabe liegt auf der Hand:

Es gilt, die Verbindungslinie zu ziehen zwischen den von Nietzsche untersuchten Ursprüngen des Bildungsphilistertums[1] und dem eingangs besprochenen nackten Hintern[2]. Eine solche Verbindungslinie ist da; man sieht sie, wie durch Nebel hindurchschimmernd; und nun gilt's, sie herauszuarbeiten, die Zusammenhänge klarzumachen; ganz allgemein: Die Metamorphosen jener Kraft im kulturellen Geschehen aufzuzeigen, die uns von der Weiterentwicklung einer menschlichen Kultur ablenkt. Die uns daran hindert, "zu uns selbst zu finden"[3]. Die uns gefärbtes Wasser vorsetzt und vorgibt, es sei Blut[4] und uns damit schon so mürbe gemacht hat, daß, wo noch ein Tropfen echten Blutes auftaucht, wir kaum noch ein Gespür dafür haben? Wer arbeitet sie heraus diese Linie; hilft uns, die Zusammenhänge zu verstehen? Auf daß wir ihn in uns besiegen, den Bildungsphilister![5] Wir brauchen Klarheit! Oder sollen wir ewig bloß zwischen nacktem Hintern und Volkshochschule wählen dürfen?

Weiß der Teufel; vielleicht zieht sich die Linie, so sie nicht in ihrer Eigenart erkannt wird, gar weiter? Wie werden, so wir jetzt nicht aufwachen, unsere Alternativen in zehn Jahren aussehen?[6]

Man kann ja nie wissen; nich?

Nee; es scheint, als müsse man da was tun[7]....

 


 

[1] Siehe „Genealogie des Bildungsphilistertums

[2] Siehe: "Über das Wesen der Klamurke"

[3] Gänsefüßchen aus dem Grunde, weil auch dieser Ausdruck inzwischen weitgehend seines Sinnes beraubt ist

[4] "Von allem Geschriebenen liebe ich nur das, was einer mit seinem Blute schreibt" - Friedrich Nietzsche

[5] Gemeint ist der Geist des Bildungsphilistertums. Wir sind alle in diesem Geiste aufgewachsen und haben alle unser Teil davon abgekriegt. ('Nicht gegen Fleisch haben wir zu kämpfen, sondern gegen Geister...' oder so ähnlich steht irgendwo in den Paulusbriefen (die, nebenbei g'sagt, nicht nur für Fromme geschrieben wurden und durchaus lesbar sind)

[6] Anmerkung Dienstag, 13. Januar 2004: All dies wurde vor über zehn Jahren geschrieben. So weit ich det beurteilen kann, sind wir seitdem ganz beträchtlich weiter abgesackt.

[7] Entgegen weitverbreitetem usus ist für uns auch Denken & Erkennen Tätigkeit. Und sicher hängt auch die Tatsache, daß man dazu neigt, geistige Aktivität als Überbau ohne eigene Realität zu betrachten, mit diesem unserem Problem zusammen. Iss ja verständlich... Wenn die Kultur des Bildungsphilisters das Ein und Alles ist, so isses natürlich Überbau; was soll es sonst sein. - Aber vielleicht isses doch anders? Wär schlimm, wenn das alles wäre...

Eine nunmehr sich vor uns auftuende Aufgabe

Raymond Zoller

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