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Auf der Suche nach Apfelbäumen

Als ich nach Agdidda kam, da machte ich mich als erstes auf die Suche nach Apfelbäumen.

Drei Tage suchte ich und drei Nächte, ohne daß ich welche gefunden hätte; und wie ich am Morgen des vierten Tages einen zufällig vorbeikommenden Passanten fragte, wo man sie finden kann, da stellte sich heraus, daß dieser Mensch keine Ahnung hat, um was für ein Etwas es sich bei einem Apfelbaume handelt.

Ich lud ihn ein in ein Café, welches glücklicherweise in der Nähe sich befand, und während er Wein trank und ich Espresso, versuchte ich über viele Stunden hinweg ihm klarzumachen, was ich und all die, die sie kennen, unter Apfelbäumen zu verstehen pflegen.

Als wir spätabends auseinandergingen, da zitterten meine Hände von dem vielen Espresso, und seine Beine bewegten sich unsicher von dem vielen Weine; und noch immer wußte er nicht, was ein Apfelbaum ist; und zu alledem waren mir plötzlich Zweifel gekommen, ob ich es selbst wohl weiß.

Nee: bei Lichte betrachtet – ich weiß es auch nicht.

Und ich beschloß, die Suche einzustellen.




© Raymond Zoller
Zur russischen Fassung





Diesen Text findet man, neben vielen anderen, in dem Taschenbuch

Raymond Zoller

Wie ich den König vom Pferd schubste

und sonstiges Episodisches

RaBaKa-Publishing, Edition Ivata
Erscheinungstermin: Juni 2013
Preis: 16,90 €
Seitenzahl: 196
ISBN: 978-3-940185-25-9


[Sollte der vom Pferde geschubste König über den Buchhandel nicht mehr erhältlich sein, so kann man es über den
Vertrieb des Seminar-Verlags
versuchen. Auf der durch das Link angesteuerten Seite ganz nach unten scrollen; dort findet man ihn]

Die Erzählungen kennzeichnet eine für Zoller typische inhaltliche Unernsthaftigkeit, kombiniert mit einer streng durchgestalteten Form. Die Szenen und Orte der Erzählungen reichen hinein ins Reich des Fantastischen; aber auch ganz normale Alltagsszenen weiß der Autor ins Absurde zu führen. Seine Protagonisten verhalten sich so, wie es nach Ansicht Zollers nicht allein Romanfiguren gut stände, sondern auch dem regelkonformen „Zivilisationisten“.

(Erika Reglin-Hormann)

Ausführliche Besprechung bei Amazon findet man über dieses Link