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Zusammen mit einigen weiteren Erzählungen von R. Zoller wurde dieser Text in einem E-Book veröffentlicht; weshalb er, unter Zurücklassung von ein paar knappen Leseproben, leider von dieser Seite entfernt werden mußte.
Nähere Information und Bezugsquellen siehe weiter unten.

An einem dieser lauen Frühlingstage, an denen alles mögliche zu passieren pflegt, was dann in der Folge allen Beteiligten zur unauslöschlichen Erinnerung wird oder gar in die Geschichte eingeht, begab es sich, daß in einem städtischen Busse plötzlich zwei männliche Gestalten sich von ihren Sitzen erhoben und die übrigen Fahrgäste aufforderten, ihnen ihre Fahrkarten zu zeigen.
Eben diesen Bus hatte kurz zuvor Aita zwecks Erreichens eines uns nicht näher bekannten Zieles als Beförderungsmittel sich auserkoren; und bereits hier sei vermerkt, daß sie im Allgemeinen ohne Fahrkarte zu fahren pflegt und daß auch diese Fahrt ganz im Sinne dieser Gepflogenheit ablief. Oder, anders ausgedrückt: Aita ist leidenschaftliche Schwarzfahrerin.
[...]
Im Falle von Aita gibt es solche Gründe; und diese Gründe liegen in ihrer Liebe zum Nervenkitzel.
Der Nervenkitzel war's, der sie bewog, über Monate hinweg mit ihrer Freundin Rita klauend durch die Kaufhäuser zu ziehen. Die geklauten Sachen behielt sie selten für sich; das meiste verschenkten sie an Stadtstreicher und Bettler oder brachten es heimlich wieder zurück. – Nicht die Sachen interessierten sie; interessieren tat sie der Nervenkitzel; die Sachen waren nur Mittel zum Zweck. Und die Ernte an Nervenkitzel war reichlich; besonders die beiden Male, als sie erwischt wurden. Wie sie ihrer Freundin Susanne im Vertrauen erzählte und wie diese dann im Vertrauen anderen weitererzählte, stand sie, als sie zum ersten male erwischt wurde und man ihr Handschellen anlegte, kurz vor einem Orgasmus. - Doch das gehört wohl nicht hierhin...
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Und nun fühlte sie sich wie eingezwängt zwischen den unbarmherzig näher rückenden Kontrolleuren.
Im Leben eines jeden Schwarzfahrers spielt der Kontrolleur eine entscheidende Rolle. Der Durchschnittsschwarzfahrer ist stets nach Kräften bemüht, jegliche Begegnung mit ihm zu vermeiden, da selbige Folgen nach sich zieht, die durchaus als unangenehm empfunden werden. Für ihn ist der Kontrolleur eine vom Teufel, von den Kapitalisten, den Jesuiten oder den Freimaurern erfundene Einrichtung, die nur dazu da ist, das Leben zu verkomplizieren und die Menschheit in Probleme zu stürzen. - Nicht so für Schwarzfahrer vom Schlage Aita's. Für sie gibt erst der Kontrolleur der Sache Sinn und Würze; und gäbe es keine Kontrolleure, so würde Aita nie und nimmer schwarz fahren und ganz sicher jedes Mal eine Fahrkarte kaufen, vielleicht sogar ein Abonnement. Denn erst der Kontrolleur als im Hintergrund lauernde potentielle Größe gewährt eben den Nervenkitzel, auf den es letztendlich ankommt; und tritt er gar aus der Potentialität heraus in die greifbare Erscheinung, so ist dies mit kaum etwas anderem zu vergleichen; höchstens noch mit dem Auftauchen eines Kaufhausdetektivs. Aita liebt es, mit den Kontrolleuren Katz und Maus zu spielen; wobei sie den Umständen und ihren Neigungen entsprechend, die Rolle der Maus übernimmt und dabei ganz beachtliche Initiative entwickelt.
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«Das ist das erste mal, daß ich eine richtige Stripteasetänzerin von so nahe sehe,» sagte der Herr. Er war ganz außer Atem und begann nun auch, sie mit seinen Blicken abzutasten. Denn Stripteasetänzerinnen sind ja dazu da, daß man sie anschaut...
Aita machte einen leichten Knicks und zeigte sich ihm dann im Profil.
«Dürfte ich jetzt trotzdem Ihre Fahrkarte sehen?» mischte sich der Kontrolleur ein. Trotz seines unterwelthaften Aussehens schien er von einem unerbittlichen Pflichtbewußtsein besessen.
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"Machen Sie sich bitte keine Gedanken," wandte sich Aita mit sanfter Stimme an den Intellektuellen. "Wenn Sie mich laufen lassen, werden dafür andere mich einfangen, und Sie riskieren nur unnötigen Ärger. Denn ich fahre immer schwarz…"
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"Und zu welcher Strafe würden Sie sich selbst wegen Ihrer Schwarzfahrerei in einem solch fortschrittlichen Strafsystem verurteilen?" fragte belustigt der Intellektuelle, der sich offenbar von seiner Überraschung erholt hatte.
"Nun, so zwei bis drei Wochen Gefängnis würde ich mir schon geben," sagte Aita. "Von Abends bis spätnachts müßte ich in lockeren Dessous zum Vergnügen der Gäste am Pranger stehen; bei schlechter Führung oder Verstößen gegen die Gefängnisordnung auch schon mal nackt und in Reichweite der Gäste, die mich dann anfassen und zwicken dürften. Und zwei oder drei mal auspeitschen; vielleicht auch häufiger."
[...]
Bei dem im Juli 2011 erschienenen e-Book mit dem Titel „Urwaldidyllen“ von Raymond Zoller handelt es sich um fünf erotisch angehauchte Idyllen aus den verschiedenartigsten Dschungeln dieser Welt. Mitwirkende: Drachen, Stripperinnen, Fahrkartenkontrolleure und andere exotische Wesen. Die Erzählungen kennzeichnet eine für Zoller typische inhaltliche Unernsthaftigkeit kombiniert mit einer streng durchgestalteten Form seiner Texte. Die Szenen und Orte der Erzählungen reichen hinein in das Reich des Fantastischen, aber auch ganz normale Alltagsszenen weiß der Autor ins Absurde zu führen. Seine Protagonisten verhalten sich so, wie es nach Ansicht Zollers nicht allein Romanfiguren gut stände, sondern auch dem regelkonformen „Zivilisationisten“.
Der heute in Montenegro lebende Autor, der die Erzählungen in der Zeit verfasste, als er in Tiflis (Georgien) seinen Wohnsitz hatte, ist bereits durch zahlreiche Veröffentlichungen seiner Internetplattform „Klamurke“, mit seinen Essays und Beiträgen bei einem Publikum beliebt, das den Humor und die Andersartigkeit des Schriftstellers schätzt.
Mehrere der in „Urwaldidyllen“ veröffentlichten Texte spielten eine entscheidende Rolle bei der Entstehung eines engen Zusammenwirkens zwischen Zoller und einer sich bildenden kleinen standortunabhängigen Gruppe aus georgischen Literaten, Musikern, Film- und Theaterregisseuren. Eine Zusammenarbeit, die bis heute besteht und sich positiv weiterentwickelt. Zwei von diesen Erzählungen wurden anfänglich für Bühne und Film bearbeitet; ein weiteres Filmprojekt ist in Tiflis in Montage und voraussichtlich Ende August fertig, welches auf Grundlage kürzerer, in diesem Sammelband nicht aufgenommener Texte von Zoller realisiert wurde.
Die Herausgabe der „Urwaldidyllen“ soll ein erster Schritt sein zu weiteren Veröffentlichungen aus dieser mehrere Sprachen und Kulturkreise umfassenden literarischen, filmischen, szenischen Kooperation.
Parallel zu diesem deutschen Band erscheint ein zweiter, der die gleichen Erzählungen in Russisch enthält; nicht als reine Übersetzungen, sondern von dem gleichen – zweisprachigen – Autoren verfasste russischsprachige Variationen zu den im Deutschen vorgegebenen Themen.
Erika Reglin-Hormann
ISBN-Nr: 978-3-9523798-3-7 (Format "epub") bzw. 978-3-9523798-7-5 (Format "Kindle")
Im Kindle-Format erhältlich bei Amazon
Im epub-Format erhältlich u.a. bei Libreka
Verkaufspreis: 7,99 €

Inhalt:
Biana und die Räuber
Urwaldidylle
Von Drachen, Stripperinnen und Schornsteinfegern
Die Schwarzfahrerin
Die Schloßbesichtigung
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