Eingang Klamurke Aus dem sozialen Leben

Humoristischer Nachtrag
zu den Abenteuern mit dem Strömungsaggregat

(April 2012)

Daß meine Berichte und Untersuchungen zu den Auswirkungen der Absurditäten unserer kulturellen Situation auf das soziale Leben von so manchem Zeitgenossen als störend empfunden (oder, die Sache vereinfachend, als verrückt beiseitegeschoben) werden, ist verständlich.

Wie die Marxisten es dankenswerterweise auf eine klare Formel gebracht haben: „Wahrheit ist, was dem Proletariat nützt.“ - Eben dies gilt – in jeweils entsprechender Abwandlung – unausgesprochen für jede beliebige Ideologie, ganz egal, wie sie sich nennt; und auch für die zwar nirgends „expressis verbis“ niedergeschriebene, aber unübersehbar machtvoll existierende Spießer-Ideologie gilt es; auch wenn man es nicht so direkt wahrhaben will.

Wie dem auch sei: Bei Facebook gab es, ganz in diesem Geiste, eine interessante Diskussion bezüglich meiner Berichterstattung über die Abenteuer mit dem Strömungsaggregat; und die vorgebrachten Einwände sind in solchem Maße typisch, und die Diskussion in solchem Maße amüsant, daß ich sie hier wiedergeben möchte. Das heißt, wiedergeben tut ich nicht die Einwände selbst (wo nötig höchstens als knapp formulierte Inhaltsangabe); wiedergeben tu ich – nach Beseitigung von Tippfehlern und Ausbügeln kleinerer Holprigkeiten und teilweise gekürzt und zusammengestutzt – mein Eingehen darauf; den Rest kann man sich denken.

Jemand veröffentlichte auf Facebook ein Link zu einem Spiegel-Artikel über Inversionskinematik und monierte das Fehlen einer Erwähnung in jenem Artikel, daß jene Inversionskinematik ‚aus der Anthroposophie inspiriert ist‘. – Das Link findet man hier.
Wissend, daß ich mit dieser Inversionskinematik mal zu tun hatte, bat man mich um einen Kommentar.
Und ich kommentierte:

 

Über diesen Spiegel-Artikel hab ich vor kurzem mit einem ehemaligen Strömungsaggregat-Mitstreiter (der damals, gleich mir, notgedrungen das Handtuch warf) korrespondiert. Um nicht alles noch einmal sagen zu müssen hier mein aus einem meiner Briefe herauskopierte zentrale Aussage:

"Aber doch interessant. Da die Arbeit mit der elementaren Inversionskinematik zuviel gedankliche Anstrengung fordert und zu wenig spektakulär ist, füllt man das Ding mit Helium und ergänzt es durch elektronische Spielereien; und dann zieht man eine Show ab, auf die sogar der Spiegel anspricht.

Hab etwas Probleme, das ernst zu nehmen.

Wenn man auf rein inversionskinematischer Basis ein funktionierendes Gerät entwickelt hätte, so könnte man die Funktion mit Hilfe von Helium und Elektronik vielleicht etwas verbessern. Aber wenn man gleich so anfängt, wird man über ein bißchen Showbusiness wohl nicht hinauskommen. Aber die Sophen gehen nun mal mit der Zeit. Angesagt ist totale Augenwischerei."

Bitte meine Direktheit zu entschuldigen; aber so seh ich det nun mal.

So isses.

Man meinte, ich soll denn doch trotzdem in meiner – bis dahin offenbar noch nicht angeschauten – Berichterstattung ein Link setzen auf diesen Artikel.
Meine Antwort:

 

Nee, verlinken tu ich das nicht. Hab was gegen Effekthascherei. Richtig beeindruckend wird es, wenn man anfängt, sich in die Sache einzudenken. Und allein schon die Umstülpbewegung des Würfels kann dazu anregen; ganz ohne Helium. Wer Helium braucht, um überhaupt vom Fleck zu kommen, der wird ohne zusätzlichen Antrieb sich auch nicht eindenken.

Und zum Denken gibt es nun mal keinen zusätzlichen Antrieb; da müssen wir leider selbst Antrieb sein.

Für mich war diese Vorführung in erster Linie ein beeindruckendes Symptom: bis zu welchem Grade man die Anregungen jenes Denkers1, auf deren Grundlage Paul Schatz seine Inversionskinematik entwickelte, in Äußerlichkeiten verpuffen ließ. Früher regte das mich noch auf; inzwischen nicht einmal mehr das.

Doch verlinken tu ich sowas nicht.

Man hielt mir vor, daß ich durch solches Unterlassen des Verlinkens eine Chance vergebe.
Meine Antwort:

 

Es wurden bereits so viele reale Chancen verpaßt, daß es auf das bißchen auch nicht mehr ankommt. - Übrigens laß ich meine Berichte über die Abenteuer mit dem georgischen Strömungsaggregat (wieauch von einigen anderen Abenteuern) als Dokumentation leichtfertig verpaßter Chancen im Netz (hab sogar angefangen, sie zu überarbeiten; überarbeite es noch klein wenig weiter; und dann laß ich es und kümmere mich weiter um nix mehr). Schade, daß das so gekommen ist; aber da kann man nix machen; iss nu mal so.

Weißte, ich war in Situationen, wo ich sehr viel hätte machen können. In diesen Situationen konnte ich dann zwar letztendlich so gut wie nix machen; aber dafür lernte ich sehr viel über die Geistesart geistiger Leute.

Ich bin überhaupt nicht resigniert; bin energischer denn je. Und will meiner Energie nicht damit verschwenden, dort zu suchen und zu agieren, wo eh nix mehr zu machen ist.

Und schließlich brachte ich dann kurzerhand ein Link zu besagter Seite über die „Erlebnisse mit den Auswirkungen der Absurditäten unserer kulturellen Situation auf das soziale Leben“.
Meine begleitende Anmerkung:

 

Ein vermutlich von vielen nicht sehr geschätzter Beitrag in vorliegendem Zusammenhang, den zu bringen mir noch als sinnvoll erscheint und den ich, mehr nebenbei, auch bringe; ganz ohne zartviolette Übertünchung der Wirklichkeit und ohne heliumunterstützte Schwebeeffekte. Das meiste Schnee von gestern; aber vielleicht doch für ein paar wenige Einzelne eine Hilfe, die geschaffenen teilweise etwas unerquicklichen Realitäten besser zu packen.

Man warf mir vor, daß das „persönliches Tagebuch“ ist und „satirisches Bestreben“ und daß das sich an eine Zielgruppe richtet, die ich „dort“ (wo auch immer) nicht finden werde.
Meine Antwort:

 

Mit persönlichem Tagebuch hat das nix zu tun. Es geht um konkrete Arbeit mit konkreten Menschen, die für sehr viele weitreichende Folgen hätte haben können (doch da sie keine weitreichende Folgen hatte lautet des Spießers Befund: daß sie auch keine haben konnte) und durch ganz konkreten Stumpfsinn zum Versacken gebracht wurde. - Jene Zielgruppe interessiert mich einen Dreck; mich interessieren die paar Wenigen, für das interessant sein könnte; und wenn es auch nur zweie sind

Eine Frage wollte ich noch anfügen: was verstehst du unter reiner Faktenseite? Sind das etwas keine Fakten, die ich dort aufführe? Oder hat als Fakten nur das zu gelten, was euch Sophen in den Kram paßt? Wahrheit ist, was dem Proletariat nützt oder wem auch sonst? Ich schreibe immer persönlich und eigenwillig; das passiert leicht mal, wenn man selbst denkt und sich nicht an die verschiedenen offiziellen Sichtweisen hält. Deshalb sind mir diese ganzen Zielgruppen auch schnuppe.

Die Bemerkungen zu meinem unkonventionellen Schreibstil regten mich an zu einem kurzen Aphorismus:

So du in ehrgeiziger Originalitätssucht dich krampfhaft bemühst, „anders zu sein als andere“ – so hast du gute Chancen, daß man dich mit deinem Manierismus – in positivem Sinne – als „originell“ betrachtet.

So du aber locker und unverkrampft auf eigene Weise und in eigenem Stil eigene Gedanken äußerst, die sich mit keiner der offiziellen Sichtweisen decken – so ist das, mit negativer Bewertung, eigenwillig und schrullig.

Da kenne sich einer aus.

(Wilhelm von Dorten)

(Wilhelm von Dorten habe ich selbst erfunden; und da ich ihn selbst erfunden habe, nehme ich mir die Freiheit, ihn nach Belieben zu zitieren. Hintergrund ist der, daß in unseren fortschrittlichen Zeiten Zitate eher akzeptiert werden als eigene Gedanken. Manche wissen Bescheid, die meisten nicht; doch auch wenn man jenen Wilhelm von Dorten nicht kennt, darf man davon ausgehen, daß es sich – da man ihn nun mal zitiert – um eine anerkannte Autorität handelt)

Weiter im Text mit meinen Erwiderungen:

Daß das mit dem Strömungsaggregat in eine satirische Kolumne ausartete ist - wie bei auch nur halbwegs aufmerksamem Lesen deutlich werden dürfte - nicht meine Schuld. In der Belletristik liegt meine Stärke im Höheren Blödsinn; das streite ich nicht ab; hier aber hab ich, stumpf naturalistisch, in der Realität abgelaufenen Höheren Blödsinn wiedergegeben. Es wäre mir viel lieber, wenn ich anderes berichten könnte.

Literatur zur Inversionskinematik kannst du sonstwo finden; mir geht es hier bloß darum, zu beschreiben, warum das alles trotz vorhandener günstiger Bedingungen nicht zustandekam. Und alles ganz schön verlogen-positiv im sozrealistischen oder anthrorealistischen Stile wiederzugeben - können andere besser; ich bin daran nicht interessiert. Ich bin Realist und kann nicht anders; verstehst? Nicht Sozrealist oder Anthrorealist. Und schreiben tu ich das für paar Wenigen, die interessiert sind zu erfahren, wie das denn nu gewesen ist. Das ist keine eigentliche ideologisch bestimmte "Zielgruppe"; das sind einfach ein paar ganz wenige Einzelne.

Da ich mich durch all die Argumente offensichtlich nicht kleinkriegen ließ, begann man, die Technik der Internet-Site zu kritisieren: daß das alles nicht funktioniert, und so weiter.
Ich ging dann auch auf diese Einwände ein, und etwas gründlicher auch noch auf einiges andere, und betrachtete das Gespräch als beendet.

 

Was die Wiedergabe betrifft: Innerhalb der Rahmenkonstruktion habe ich jede einzelne Seite mit Firefox ausprobiert; stichprobenweise auch mit Opera. Probleme habe ich keine entdeckt; kommt alles sofort auf den Schirm; die Links funktionieren, und funktionieren zudem so, daß alles jeweils in der "Frame" erscheint, wo es zu erscheinen hat. Viel Schnickschnack, der die Sache durcheinanderbringen könnte, gibt es ja eh nicht; hauptsächlich Text und ein paar Graphiken. Vielleicht gibt es Probleme mit anderen Browsern; keine Ahnung (Internet Explorer ist meiner Erfahrung nach generell etwas schwergängig; deshalb benutz ich den auch nicht; aber vielleicht hat auch der seit meinem letzten Kontakt mit ihm sich gebessert.)2

Was aber das Inhaltliche betrifft, so sei gesagt: Wenn du den Eindruck hast, daß das nichts für dich ist - lies es doch einfach nicht. Wozu sich abquälen?

Wenn die Inversionskinematik dich interessiert - such doch einfach nach entsprechender Literatur. Um darüber schreiben zu können muß man sich jahrelang gründlich damit beschäftigt haben; immerhin ist das ein recht anspruchsvolles Gebiet. Ich hab mich nur anfänglich damit beschäftigt, als die Sache mit dem Strömungsaggregat lief. Als das sich aus den beschriebenen Gründen nicht mehr weiterführen ließ, kümmerte ich mich auch nicht mehr um die Inversionskinematik. Aus lauter Frust, und weil ich anderes zu tun hatte. Hätte die Sache sich solcherart entwickelt, daß die Arbeit weiterging, so hätte ich mich sicher auch weiter mit Inversionskinematik beschäftigt und würde vielleicht heute, statt der Berichte über all diese Idiotie, kompetente Artikel schreiben über Inversionskinematik. So aber könnte ich höchstens Feuilletons darüber schreiben. Und Feuilletons schreibe ich nicht, da ich Smalltalk nicht mag und weil andere das sicher besser können als ich.

Es gibt weiterführende Arbeiten; hab selbst anfänglich mich damit beschäftigt; bloß findest du die nicht im Umfeld jenes Spiegel-Artikels. Zum Beispiel interessante Untersuchungen über die Inversionsprozesse bei anderen platonischen Körpern. Titel und Namen der Verfasser hab ich vergessen; aber im in unseren Google-geprägten Zeiten läßt sich das sicher finden. Allerdings muß ich dich warnen: mit ein paar trocknen "Fakten" läßt das sich nicht abhandeln; da mußt du dich schon reinknien. Wie Euklid seinerzeit irgendeinem Herrscher, der fand, daß diese ganze Geometrie doch aber viel zu kompliziert ist und ob man das nicht einfacher haben kann, antwortete: Zur Geometrie gibt es keinen Königsweg3. Wobei zusätzlich anzumerken ist, daß im Vergleich zur Inversionskinematik die euklidische Geometrie ein Kinderspiel ist.

Und noch einmal mein Rat: Wenn mein Geschreibe dich nicht interessiert und wenn du was anderes suchst - lies es doch einfach nicht. Ich halt das auch so: Les nur das, was mich interessiert.

Und auch schreiben tu ich nur das, was mich interessiert; und zwar genau in der Form, wie es mir paßt. Es gibt vereinzelte Leute, die mit meinem Geschreibe etwas anfangen können und denen es was gibt; und für die meisten sind das böhmische Dörfer. Für die aber, für welche das böhmische Dörfer sind, schreib ich det ja auch nicht.

Ein ironischer Einwurf, daß ich meiner Zeit ja sowieso um einen Tag voraus bin, inspirierte mich zu einem weiteren Wilhelm von Dorten zugeschriebenen und andernorts untergebrachten Aphorismus:

"Fast alle hinken wir den Forderungen unserer Zeit ganz arg hinterher.

Ich auch.

Bloß merke ich es."

(Wilhelm von Dorten)

Als es dann mit den Argumenten immer happiger wurde, durfte natürlich auch der Vorwurf, daß ich „immer nur die Schuld bei den anderen“ suche, nicht fehlen.
Der inspirierte mich zu einer längeren Auslassung, die ich in meinem Blog veröffentlichte

Alles in Allem:
Diese auf dem ersten Blick unsinnige Diskussion regte mich an zu Formulierungen,
welche ohne sie nie und nimmer entstanden wären
und welche somit selbige Diskussion
aus den Finsternissen bodenlosen Unsinns
ins Reich des Sinnvollen erheben;
was doch zweifellos sinnvoll ist.

 


[1] Gemeint ist Rudolf Steiner; ein durchaus ernstzunehmender Denker, mit dessen Anregungen leider einiges daneben ging.
[2] Sollte jemand konkrete technische Unstimmigkeiten entdecken, so wäre ich dankbar um Mitteilung; ich würde dann versuchen, sie zu beseitigen. Bin kein HTML-Fachmann und finde dieses Gefummel recht nervig; so daß ich schon mal was übersehen kann. Daß aber die Sache als Ganzes nicht funktionieren soll – hör ich zum ersten Mal.
[3] Ob ein solches Gespräch tatsächlich stattgefunden hat oder ob es sich – wie man das im heutigen Deutsch nennt – um ein Hoax handelt – weiß ich nicht; aber die Formulierung find ich treffend

Berichte aus dem Umfeld der Abenteuer mit jenem Aggregat findet man:
- falls man bereits in der Rahmenstruktur ist: Weiterblättern über das Verzeichnis im linken Rahmen in der Abteilung „Absurde Abenteuer mit Strömungsaggregaten“
- falls man von außen auf dieser isolierten Seite landete: Hier kommt man in die Rahmenstruktur (oder frames) mit erwähntem Verzeichnis; Abteilung „Absurde Abenteuer mit Strömungsaggregaten“

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Bei YouTube findet man einen Zusammenschnitt von Videoaufzeichnungen, die während der Arbeit – von den ersten Anfängen der Herstellung in der Werkhalle bis hin zu den Probefahrten auf dem See in der Nähe von Tbilissi – zustandekamen. Aufsehenerregendes ist nicht darunter; aber man sieht, daß real gearbeitet wurde und daß man zum Schluß mit einem von besagtem Aggregat angetriebenen Polizeiboot über den See schipperte. Und sehr viel Georgisch hört man, klein wenig Russisch und sogar ein paar Sätze Deutsch.

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Über eine verspätete lustige Erinnerung an die mögliche kriminalistische Verwendung oben erwähnten Filtermaterials kann man hier nachlesen: Kriminelle Wattestäbchen

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Die wichtigsten der hier veröffentlichten Texte zu den Abenteuern mit dem Strömungsaggregat wurden in einer PDF-Datei zusammengefaßt, die man hier anschauen und/oder herunterladen kann.

Raymond Zoller

 



 

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