
Anruf von der Universität; die legen offenbar großen Wert auf meine Mitwirkung. Wenn die wüssten... Ich gebe mir auch redlich Mühe, meine Inkompetenz zum Ausdruck zu bringen; aber irgendwie glauben sie mir nicht. Wir treffen uns am Donnerstag; dann sehen wir weiter.
Meine Autorität wird - ob mir das passt oder nicht - gefestigt durch meine Artikel in der Literaturnaja Gaseta und vermutlich auch noch durch das Niveau meiner Russischkenntnisse; und möglicherweise auch durch die bereits vonstattengegangenen Gespräche. Im freien Gespräch kann ich in der Tat manchmal ganz interessante Sachen sagen. Dass ich kein Fachphilosoph bin und mich in Philosophie nicht sonderlich auskenne, scheint man, da ich es gar sehr betone, inzwischen zu glauben; nicht hingegen, dass ich in Linguistik nicht mitreden kann. Sollte es mir gelingen, bei dem Gespräch alle übertriebenen Erwartungen auszuschalten und den Rahmen abzustecken für eine freie, offene Gesprächssituation, so könnte das hingegen interessant werden. Man wird sehen.
Vieles bzw. das meiste, was ich tue und schreibe, ist nichts als ein Entwickeln und Weitergeben von Keimhaftem. Manches könnte bei entsprechender Offenheit zügiger Form annehmen. Aber die Offenheit ist nicht da; und so bleibt das meiste zunächst mal keimhaft. Mit meinem Ringen um Klarheit war ich, bevor ich in Russland landete, weitgehend allein. In Russland weniger allein; aber erst müsste ich mal, nach all dieser Stagnation, richtig auf die Beine kommen...

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Auf der Suche nach irgendwas anderem stieß ich auf obige vor Jahren in Moskau zustandegekommene Notiz. - Bei der erwähnten Universität handelt es sich vermutlich um die „Universität für Völkerfreundschaft“, mit welcher ich über meine Tätigkeit in der „Literaturnaja Gaseta“ in Kontakt kam und für die ich im Weiteren dann auch gelegentlich aktiv war (in Moskau gibt es zwei Universitäten; die Lomonossow-Universität, und, eben, die „Universität für Völkerfreundschaft“)
So isses

