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Die Nashornjagd im Schwarzwald

„Im Schwarzwald kann man keine Nashörner jagen,“ sagte Krückh.

„Ich weiß,“ antwortete Hürgokh. „Denn im Schwarzwald gibt es keine Nashörner.“

„Daß es im Schwarzwald keine Nashörner gibt ist nicht das Problem…“ Krückh legte den Radiergummi, der von früheren Zeiten her auf seinem Schreibtische lag, zurück in die Schublade, von wo er ihn vor vielen Jahren einstens hervorgeholt hatte. „Das Problem liegt darin, daß man im Schwarzwald keine großkalibrigen Büchsen kaufen kann.“ Er betrachtete nachdenklich das schwarzrote Farbband, das er einstens für seine alte mechanische Schreibmaschine gekauft hatte und welches seitdem vergessen in der Schublade lag.

„Warum meinst du, im Schwarzwald könne man keine großkalibrigen Büchsen kaufen,“ wunderte sich Hürgokh. „Großkalibrige Büchsen kann man überall kaufen.“

„Aber nicht im Schwarzwald!“ Krückh öffnete den alten Füller, den er in der Schreibtischschublade entdeckt hatte, und begann, ihn in dem Aquarium, in welchem ein sehr großer Goldfisch schwamm, auszuwaschen. „Denn was sollte jemand im Schwarzwald großkalibrige Büchsen feilbieten, wenn es dort keine Nashörner gibt!“

Das Wasser im Aquarium färbte sich dunkel.

„Großkalibrige Büchsen kann man auch für die Elefantenjagd benutzen,“ warf Hürgokh ein.

„Aber Elefanten sind keine Nashörner…“

Weiter sagte Krückh dann nichts mehr, da der Stuhl, auf dem er saß und den er schon lange hatte reparieren wollen, zusammenbrach und ihn hinunterwarf unter den Schreibtisch, wo er sich auf einen Reißnagel setzte, welcher vor Jahren, als er das Bild seiner davongelaufenen Freundin von der Wand entfernte, heruntergefallen war.

© Raymond Zoller