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Das Dasein und Wirken von Onkel Otto

Eine allgemeine Anmerkung zum Thema

verfasset von Erwin Sopha

und gedrucket mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

In so manchem Zeitgenossen, der sich mit Dasein und Wirken von Onkel Otto konfrontiert sieht, wird ganz unvermittelt die Frage aufsteigen: Was soll denn das! Wozu lebt ein solcher Mensch? Was sollen wir mit solch zweifelhaften Individuum, das da von Klapperschlangen gebissen wird, die keine Klapperschlangen sind; das Sado-Orgien organisiert und dabei die elementarsten Utensilien vergißt und das nicht in der Lage ist, das Seelenleben von Mondkälbern zu verstehen? Was kann von einer solch zwielichtigen Existenz für ein Nutzen ausgehen? Weg damit!

Doch wie naheliegend eine solche Aufwallung auch sein mag machtvoll und unerbittlich stemmt sich uns die Tatsache entgegen, daß das Dasein von Onkel Otto nicht solcher Art ist, als daß man ihn so ohne weiteres packen könnte, um ihn auszuradieren oder zumindest so weit umzuarbeiten, daß er zu einem nutzbringenden Glied der menschlichen Gesellschaft wird. Denn wie soll man einen Menschen greifen, der zum Beispiel so tun kann, als würde er von einem Löwen aufgefressen und dabei sogar das ansonsten unbestechliche Auge eines Panthers täuscht? Ist das noch ein gewöhnlicher Mensch aus Fleisch und Blut? Doch wohl kaum?

So müssen wir uns denn machtlos und schweren Herzens damit abfinden, daß Onkel Otto - auf welche Weise auch immer - existiert und daß man ihn nicht so leicht wieder los wird; und wollen somit, gefaßt unserer Ohnmacht ins Auge sehend, nunmehr dazu übergehen, uns sein Dasein und Wirken streiflichtartig vor Augen zu führen.

Hintertupfingen, am Tag der heutigen Heutigkeit

Erwin Sopha

© Raymond Zoller