
Vermischte netzstrumpfpoetische Dialoge

Netzbestrumpft
Ernst:
Platinblond würd' auf Dauer dir nicht steh'n;
Doch so
Zwei, drei Tage
Platinblond
Mit Schlitzrock und Netzstrümpfen
Wär doch schön?
Renata:
Recht hast du, Prinzipien engen ein
Netzfasern an den Beinen
Können reizvoll sein
Ich kleide und verziere mich
Wie meine Laune schwingt
Beizeiten, da verlotter ich
Bis einer mich besingt
Ernst:
Besingen tu ich dich gern
Und mit Genuß.
Ich kenn deiner Augen fragende Trauer;
Doch verlottert und sündig behagst du mir nun:
Drum will ich dich sündig besingen.
Entblöß denn in sündigem Übermut
Deine netzbestrumpften Beine,
aufdaß ich
Mit sicherem dichtendem Griff
Sie betaste und besinge
(wird fortgesetzt)

Tintenfisch-Suite
Ernst (für sich):
Wo Tintenfische in den Untergründen der Gewässer sich bewegend ihre Spiele treiben
- da ist was los!
Ernst (für sich):
Mehr ein frühmorgendliches Herumspielen mit Rhythmen und Lauten. Und sehr gut würden da noch weibliche Formen sich einfügen.
Ernst (an Renata):
Wenn du dich
Nackig und knackig
In den Armen eines Tintenfischs windest
- Das wäre echt sexy!
Renata:
Die Arme, die schön weiß sind von innen
umfassen mein frauliches Bein
wir umschlingen uns in Weichheit
bis mein Leib mit Noppen eingefasst ist
Er schenkt mir seine Weichheit
ich ihm meine
Ich bin sein Haken
denn arm ist der Krake in einer Essig-Lake
mag ihn nicht gebraten
sondern gekocht
mit Limonengras ist sein Fleisch gut geraten
Ernst
Als Tintenfischköder
Bist du unwiderstehlich;
Als Tintenfisch
Fiele auch ich auf dich rein.
Ich würde dich packen,
würd' mit dir spielen,
würd' deine Formen
mit all meinen Armen
betasten, liebkosen und drücken.
Und zieht man dich hoch,
von mir fest umschlungen
- ich lass dich nicht los!
Ich kappe das Tau;
das Tau geht nach oben
- und du bleibst bei mir!
(wird fortgesetzt)

(Die Ausarbeitung des Netzstrumpfpoesiekonzepts wird energisch weitergetrieben; aber es dauert noch etwas. Nämlich braucht laut Krivoi-Krokovski die theoretische Untermauerung eines revolutionären künstlerischen Konzepts seine Zeit)

Anmerkung: Bei Ernst und Renata, den Verfassern oben wiedergegebener netzstrumpfpoetischer Dialoge, handelt es sich um zwei reale, unabhängig voneinander existierende und agierende Persönlichkeiten. Ernst ist der gelegentlich auch unter verschiedenen anderen Namen auftretende Ernst Tirckl-Wolff; Renata ist bis auf Weiteres einfach Renata und zieht es vor, erst mal im Dunkeln zu verbleiben und von dort aus sich nach Lust und Laune zu äußern
![]()