Die Klamurke

Sinn und Unsinn des Veröffentlichens

Aus einem Brief April 2006

Als Antwort auf sie Bemerkung in einem erhaltenen Brief „‘Im Netz schreiben‘ erlebe ich nicht als Veröffentlichung, sondern als: Freunden zeigen.
Das war die Zeit, als die Klamurke grad eben von GMX in ein eigenes Domain umgezogen war und von einem Moment zum andern allein auf weiter Flur sich von allen Suchmaschinen verlassen sah (damals wußte ich noch nicht, daß solches normal ist und daß die Suchmaschinen sich erst mal an den neuen Netzbewohner gewöhnen müssen).

Ist bei mir im Prinzip genau das Gleiche: Veröffentlichen bedeutet, etwas Freunden zum Lesen zu geben. Die paar Wenigen, die etwas mit meinem Geschriebenen anfangen können, betrachte ich nicht als meine „Leser“ (bin kein Schriftsteller; zumindest nicht im heutigen Sinn), sondern, eben, als meine Freunde; selbst diejenigen, die ich nicht kenne und von denen ich nichts weiß.

Zunächst rein für mich schreib ich Belletristik; und halt, zu Verdauungszwecken, die ganzen Anmerkungen und Notizen. Wenn ich dann aber, nachdem es geschrieben ist, mich dazu entschließe, es zu veröffentlichen – so tu ich das, damit es gelesen wird; sonst könnte ich das Veröffentlichen gleich bleiben lassen. Und dann gibt es, besonders in letzter Zeit, nicht wenig, das ich von vornherein im Hinblick auf das Gelesenwerden schreibe. Publizistik halt.

Ich vermute, daß nicht wenige Leser, die bei funktionierender Suchmaschineneinbettung in die Klamurke gerieten, sich sofort enttäuscht wieder zurückzogen. Aber ganz sicher nicht alle; und eben auf die kommt es an. Von der Existenz solchen Volks zeugen, zum Beispiel, immer wieder auftauchende Suchwortkombinationen, die unübersehbar auf bestimmte Textstellen in der Klamurke bezogen sind; oder auch kommentierte Links in Foren. [...]

Es kommt mir natürlich nicht auf die Menge an; es geht mir nur darum, daß die paar wenigen, mit denen ich mich verständigen könnte, mich auch finden.

Raymond Zoller