Klamurke

Notizen von unterwegs - Nachlese Textgalerie-Forum

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 Nachfolgendes Gesprдch begann mit einem Kommentar zu einem damals in der „Textgalerie“ verцffentlichten und nunmehr  hier in der Klamurke zu findenden kurzen belletristischen Text.

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Zu diesem "Perpetuum Mobile" schrieb am 6. Dezember 2002 ein gewisser „E doppel F“ nachfolgenden Kommentar:

Tja... Da haben die den lieben Onkel Otto aber ganz schцn gefoppt, die Jungs vom Patentamt... Klar wissen die wie man jemanden ein Apfel fьr ein Ei verkauft... Jedenfalls dьrfte Onkel Otto seine Luftpumpe wieder mit nach Hause genommen haben. (Die Herren Patentamtler haben ja schon eine) ....

Wenn O. OTTO den Glauben an sich selbst wieder ausgewickelt hat, wдre er gut beraten sein Perpet in einem unauffдlligen Kьchenschrank aufzustellen und sich darьber freuen, dass die Familie beruhigt vom Netz gehen kann und sich vor der kommenden Цlkrise nicht zu fьrchten braucht... Vielleicht erweist sich seine Gerдtschaft noch als richtige Kapitalanlage, und er kann nach dem dritten Weltkrieg einem reichen (und fetten) Landwirt in seiner Umgebung den "Bahnbrecher" als Schweinestallheizung fьr einen Sack Kartoffeln abtauschen...vielleicht....

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Diesen Kommentar kommentierte ich - als Autor jenes Perpetuum-Mobile-Abenteuers am 21. Dezember 2002 wir folgt:

Bevor das Forum mitsamt Textgalerie sich endgьltig in den regenerierenden Winterschlaf zurьckzieht kurzer Kommentar zu diesem Kommentar:

Die Untergrьnde, aus denen heraus mehr oder weniger literarische Texte erwachsen, sind natьrlich schwer zu ьberschauen und in der Regal auch dem Schreiber selbst nicht bis ins letzte bewuЯt. Wat soll's... Der Text „Das perpetuum mobile“ hat aber sicher keinen sozialkritischen Hintergrund und will weder das perpetuum mobile noch die armen Erfinder in Schutz nehmen. Eine seiner Wurzeln liegt in der Freude am Herumjonglieren mit der Absurditдt als absoluter GrцЯe: mit jener Absurditдt, die, kaum erkannt, als konstituierender Faktor unser Weltgeschehen so maЯgeblich fьhrt und leitet. Der im „perpetuum mobile“ seinen Ausdruck findende absurde Sachverhalt (an den man sich so sehr gewцhnt hat, daЯ nur noch das geьbte Auge die ihm innewohnende Absurditдt erkennen kann) liegt in der hдufig zu beobachtenden Vorgehensweise: daЯ man sich ein allgemein formuliertes, mit keiner klaren Begrifflichkeit verbundenes Ziel vorsetzt (hдufig bloЯ ein mit irgendwelchen Emotionsfetzen verbundenes Wort), welches mangels Begrifflichkeit auch mit dem Jetzt-Zustand kaum in Beziehung steht; und daЯ man sodann wahllos mit den verschiedensten Mitteln dieses Ziel ansteuert oder auch bloЯ davon trдumt. So kann man etwa den EntschluЯ fassen „Ein Buch zu schreiben“; und dann frдgt man ьberall herum, wie man das macht und was fьr ein Thema man wдhlen soll; merkt vielleicht, daЯ man mit Schreiben noch so seine Mьhe hat und absolviert erst mal entsprechende Kurse; alles auf dem Weg „Ein Buch zu schreiben“: Weil man findet, daЯ das doch sehr ehrenvoll ist, ein Buch geschrieben zu haben, weilnдmlich man dann Schriftsteller ist. Oder aber man beschlieЯt, „irgendeine grandiose Erfindung zu machen“, je nachdem: auch gleich das Perpetuum Mobile. Und auch auf den ersten Blick normal scheinende Vorsдtze wie etwa „ein Diplom machen“ und дhnliches sind hдufig bzw. fast immer in diesem Bereich angesiedelt. – Hiermit ьberschneiden sich dann auch noch die дuЯerst kцstlichen Beobachtungen, die man zuweilen in Sachen Auseinanderklaffen von Wort und Begriff machen kann. Man kцnnte das alle streng analytisch auseinandernehmen; doch wat soll's; literarisch isses allemal lustiger...

Und so trдumte denn Onkel Otto davon, das Perpetuum Mobile zu erfinden: ohne offenbar einen genauen Begriff davon zu haben; aber vermutlich geht er davon aus, daЯ man durch Erfinden des Perpetuum Mobile – was immer das auch sein mag – sich Ruhm verschafft und Ehre und auch Finanz. Sein Ist-Zustand, seine faktischen Mцglichkeiten erlauben ihm ein gewisses technisches Herumwerkeln, welches sogar zum Zustandekommen eines irgendwie funktionierenden Gerдts fьhrt; und da er so sehr davon trдumt, durch Erfinden des Perpetuum Mobile zu Ruhm und Ehre und Finanz zu kommen, geht er davon aus, daЯ er mit diesem technischen Gebilde nunmehr das Perpetuum Mobile erfunden hat.

Es lieЯe sich dazu noch viel mehr sagen; aber irgendwie tut's weh, einen literarischen Text – und dazu noch einen eigenen – solcherart sezierend auseinanderzunehmen; lassen wir es denn besser dabei bewenden, bevor wir ihn, den Text, ganz abgetцtet haben. Da ich das aber schon mal geschrieben habe, will ich es auch abschicken.

Das wдr's denn mal...

Raymond

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 Welchselbiger Kommentar dann am 29. Dezember 2002 in Paul Melian seinen Kommentator fand:

Lieber Raymond Zoller!

Fьr jemanden, der seinen eigenen literarischen Text nicht durch zu viel Analyse abtцten will, schreiben Sie aber verdammt viel!

Spass beiseite.

Was soll man in so einer Situation schon machen? Zwischen der hochnдsigen Aussage: "Ich pflege meine Texte nicht zu erklдren" (das habe ich mal geschrieben, der Empfдnger hatte es aber wirklich verdient) und einer wortreichen Sezierung des Textes im Sinne der Literaturkritik gibt es alle mцglichen Schattierungen. Und alle sind sie - je nach Situation- mehr oder weniger passend.

Beide Extreme zu vereinen, wie Sie es tun, das ist aber eine ganz tolle Leistung!

Wieder Spass beiseite.

Was will ich ьberhaupt sagen, ausser unflдtige Bemerkungen machen?

Ich finde es дusserst mutig von Ihnen, sich darauf einzulassen. Das mal ganz im Ernst.

Denn: Wir wьrden uns wundern, wie eine professionelle Literaturkritik unsere Texte analysieren wьrde, vorausgesetzt, sie wьrde sich ьberhaupt damit abgeben. Wir wьrden Sachen hцren, die wir nicht im entferntesten bedacht haben. Davon kцnnten wir uns eine Scheibe abschneiden. Mindestens.

Viele Grьsse

Paul Melian

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Antwort von R. Zoller am 30. Dezember 2002:

Die Vereinigung beider Extreme (vцlliges Schweigen und wortreiches Sezieren) mьЯte darin bestehen, daЯ man sich bemьht zu unterscheiden, was man sieht und was man nicht sieht; und daЯ man dann ьber das, was man nicht sieht, schweigt und nur das in Worte bringt, was man sieht. Und „passend“ wдre eine jeweilige Schattierung zwischen diesen beiden Extremen in dem MaЯe, als sie redlich ist und ihrem Gegenstand gerecht wird.

Die Untergrьnde, aus denen heraus das „Perpetuum mobile“ zustandekam, sind mir – zumindest gewissen Hauptlinien nach – leicht einsehbar; was keineswegs bedeutet, daЯ mir alles bewuЯt wдre. Das, was mir davon bewuЯt ist, hab ich hingeschrieben; weiter nix. DaЯ da noch ganz andere Momente mitspielen, ist mir klar. Aber ich sehe mich selbst nicht in der Lage, sie herauszuarbeiten, und wьЯte auch nicht, wozu ich es versuchen sollte.

DaЯ ein professioneller Literaturkritiker, so er im Zuge seiner beruflichen Obliegenheiten plцtzlich meine Texte zu besprechen hдtte, sehr viel und darunter auch so manches fьr mich ьberraschende schreiben wьrde – daran zweifle ich nicht. Worin im Allgemeinen die Professionalitдt jener professionellen Literaturkritiker besteht, ist mir zwar nicht deutlich, da ich ihre Arbeiten kaum lese; doch hoffe ich, daЯ er mir sehr vieles ьber mich und die Spezifik meiner Vorgehensweise wird sagen kцnnen und nicht bloЯ, irgendwelche angelernten Vorurteile in mich hineinprojezierend, in Erfьllung seiner beruflichen Pflichten vor sich hin spekuliert. Und ansonsten stimmt es mich keineswegs traurig, von der Aufmerksamkeit jener Berufsgruppe verschont zu bleiben.

Ein anderes natьrlich das Leserecho. Wer sich von einem verцffentlichten Text verstanden oder miЯverstanden, angezogen oder abgestoЯen fьhlt oder sonstwie betroffen ist – der hat durchaus das Recht, sich zu дuЯern und soll es gefдlligst tun; ganz egal, wie prдgnant oder unbeholfen, verstehend oder danebenhauend er seine Betroffenheit in Worte bringt.

So weit fьr diesmal

Prost

Raymond

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Einiges Prдzisierendes gab es dann noch in einem nachfolgenden kurzen Briefwechsel. Paul Melian schrieb am 30.12.2002 an R. Zoller:

Literaturkritiker und Schriftstellerkollegen sind m.E. auch nur Leser, wennschon sie sich hдufig was anderes einbilden. Und die meisten von ihnen sind ausgesprochene Dilettanten. Warum also einen Unterschied machen? Ich zitiere Sie:

Geschrieben von Raymond Zoller (213.157.194.84) on Juni 01, 2002 at 19:14:03:

In der Abteilung "Texte ьber Texten" seh ich, daЯ das Fehlen von Feedback als Problem erlebt wird. - Doch wozu eigentlich Feedback bei abgeschlossenen literarischen Texten? Wenn ich einen Text als abgeschlossen betrachte und bereit bin, ihn zu verцffentlichen - ja nun: so ist er halt fertig. Man liest ihn, den einen sagt er was, den andern sagt er nichts; zu kommentieren gibt es da an sich nicht viel. Wenn jemandem meine Art und Sprache gefдllt, so kommt ihm vielleicht meine E-Mail-Adresse gelegen, weil er mich zu irgendwelchem AnlaЯ um Texte bitten mцchte. Aber wozu kommentieren? Kommentare zu meinen Texten erwarte ich mir keine; wьrde mich eher wundern, wenn welche kдmen. Und selbst wьЯte ich nicht, wieso und wie ich Texte anderer Autoren kommentieren sollte. - Etwas anderes ist Publizistik. Bei - fьr meine Begriffe - guter Publizistik sind die Gedanken solcherart angedacht, daЯ sie zum Weiterdenken anregen; angeschnittene Fragen fordern Erweiterung und Vertiefung; hier liegt, im Gegensatz zu guter Literatur, eine "schцpferische Unfertigkeit" vor.

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Antwort von R. Zoller, gleichfalls per E-Mail, folgte am gleichen Tag, i.e. am 30.12.2002:

Den Unterschied seh ich darin, ob jemand sich zu einem Text дuЯert, weil er sich irgendwie davon berьhrt fьhlt, oder weil er sich durch seine berufliche Position oder sonstwat verpflichtet fьhlt, sich zu дuЯern. Das Kriterium seh ich also nicht im Beruf. Ist ja durchaus denkbar, daЯ jemand, der als Literaturkritiker seine Brцtchen verdient, durch irgendeinen Text persцnlich betroffen ist und sich ehrlich damit auseinandersetzt; der iss dann natьrlich nicht gemeint. Und umgekehrt ist es mцglich, daЯ irgendein „Durchschnittsleser“ das diffuse Bedьrfnis empfindet, sich mal wieder zu дuЯern, und dann einen aufs Geratewohl herausgegriffenen Text kommentiert, der ihm ansonsten schnuppe ist. Selbiger „Durchschnittsleser“ wьrde dann in die Sparte „Literaturkritiker“ fallen; wьrde gewissermaЯen, ohne selbst unbedingt „gelehrt“ zu sein, zu jenem das Kulturgeschehen verwдssernden Menschenschlag gehцren, den Schiller als „Brotgelehrtentum“ bezeichnete. – Was nun meinen Forumbeitrag zum „Fehlen von Feedback“ betrifft, so hab ich mich da klein wenig einseitig und damit miЯverstдndlich ausgedrьckt: Ich betrachtete das Problem aus der Sicht der nervцsen Erwartungshaltung verschiedener Autoren, die auf „feedback“ hoffen (was frьher mir selbst, nebenbei bemerkt, auch nicht fremd war). Beim Leser kann natьrlich durchaus das Bedьrfnis entstehen, einen Text, von dem er sich berьhrt fьhlt, zu kommentieren; nur ist das nicht die Regel, und man kann es vor allem nicht fordern.

 

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