Eingang Klamurke Aus dem sozialen Leben

Bedingungsloses Grundeinkommen

Ganz leicht überarbeiteter Vorstellungsbeitrag in einer Xing-Gruppe zum Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“

Zunächst einmal wurde die Motivationsverwirrung, die sich aus der unreflektiert übernommenen Koppelung von Arbeit und Einkommen ergibt, zum zunehmend bewußteren persönlichen Problem. Das praktische Studium der aus dieser Verwirrung (wieauch aus sonstigen Verwirrungen) resultierenden seelischen Folgen und Festgefahrenheiten (an mir selbst und an meiner Umgebung) bezeichnete und bezeichne ich halb scherzhaft als „Studium der Phänomenologie des geistig-seelischen Erstickens“.

Im Laufe der Zeit wurde mir griffig, daß Arbeit und Einkommen nicht so selbstverständlich zusammengehören, wie man det in der Schule gelernt hat und wie es einem eingetrichtert wird; und von dieser Einsicht bis zur Idee des bedingungslosen Grundeinkommens war es dann nicht mehr weit.

Im äußeren, praktischen Leben hab ich insofern mit dieser Problematik zu tun, als ich nach Scheitern eines größeren technischen Projektes (kann man bei Bedarf hier nachlesen) durch einen Freund, der finanziell in diese Sache involviert war, "bedingungslos" unterstützt werde (der Betreffende bezeichnet mich allerdings als „Sozialpfadfinder“ und auch als „Schriftsteller“ und unterstützt mich als solchen; ohne jedoch die „Effektivität“ meiner Arbeit zu kontrollieren; praktisch also „bedingungslos“). Eine solche Unterstützung wurde auch auf andere Leute ausgedehnt; jedoch - außer in ein paar Fällen dringender medizinischer Hilfe - beschränkt auf Leute, die bereit und fähig sind, selbst sinnvoll ins soziale Geschehen einzugreifen oder in einem schöpferischen Entwicklungsprozeß sind. - Eine Zeitlang beschäftigten wir uns mit der Frage, wie sich im mikrosozialen Bereich eine Oase oder Oasen schaffen ließen mit "halbbedingungslosem" Grundeinkommen (i.e. für Leute, die man kennt und von denen man weiß, daß sie gewisse Anlagen haben, die sie entwickeln und einbringen wollen); verschiedene Notizen hierzu findet man bei Bedarf an mit obigem Link verbundenen Stellen).

Wie weit im makrosozialen Bereich in einzelnen Ländern die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens möglich wäre – weiß ich nicht; einerseits wäre es die natürliche Lösung, andererseits aber im Kontext der faktischen Zeitbedingungen eine recht problematische Angelegenheit (nicht nur wegen der Widerstände – allein schon die Heere von in den unsinnigen Kontrollmechanismen tätigen Beamten, die ihre Arbeitsplätze bedroht sehen – sondern auch aus einer ganzen Reihe anderer Gründe; ich laß mich aber gern eines anderen belehren)

Ich denke, daß es bei gutem Willen möglich sein könnte, mit gutem Beispiel vorzugehen und kleinere (nicht unbedingt räumlich bestimmte; mitunter sogar länderübergreifende) Inseln mit bedingungslosem oder halbbedingungslosem Grundeinkommen zu schaffen. Soviel ich weiß wird das stellenweise auch versucht (Subsidien, Sponsortum usw…; wennauch nicht immer verbunden mit prinzipiellen Überlegungen zum Zusammenhang zwischen Arbeit und Einkommen; und nicht selten auch rein mechanisches Finanzieren von grobem Unfug)

Abgesehen von den Widerständen, die sich der Sache als Ganzes entgegenstemmen, sehe ich im makrosozialen Bereich das Haupthindernis in der Entfremdung des Einzelnen vom „Sozium“.

In Verbindung mit der Behandlung der Fragen um das „bedingungslose Grundeinkommen“ scheint es mir wichtig, unter anderem auch die Mechanismen, die zu dieser Entfremdung führen und sie verstärken, gründlicher zu untersuchen. (diese Entfremdung scheint mir nicht naturgegeben, sondern Resultat unglücklicher Entwicklungen, die selbst den stärksten und motiviertesten letztendlich in Vereinsamung und Resignation treiben können).

Ein wichtiger und sehr zentraler Mechanismus etwa hat sein Epizentrum im zunehmenden Verfall der Kommunikationskultur: man hat einander nichts mehr zu sagen (und weiß nicht einmal mehr was das heißt: einander etwas zu sagen zu haben), hört entsprechend einander auch nicht zu, und könnte, was das Wirtschaften betrifft, auch nicht sagen, warum man sich, wenn man nicht dazu gezwungen wird, für diese gleichgültige Umgebung abrackern sollte. – Ich mein das ganz ohne jede Sentimentalität; dieser Verfall und die daraus resultierende Problematik läßt sich unsentimental und mit klaren Begriffen darstellen; sollte man eigentlich auch; nur nicht in einem Vorstellungsbeitrag)

Ein weiterer Faktor: das in vielen Ländern immer dichter werdende bürokratische Fettnäpfchensystem: Manche trauen sich schon gar nicht mehr, sich zu bewegen, um nicht irgendwo reinzutappen, und lassen resigniert die Arme sinken: ungefährlicher ist es allemale, stillzusitzen und sich mit Sozialhilfe zu begnügen. Und ich denke, daß manche Menschen so von dieser Resignation durchdrungen werden, daß sie auch nach Wegfall dieses widermenschlichen Unsinns Zeit bräuchten, sich wieder aufzurichten (als Beispiel siehe etwa hier)

 

Da ich mich in oben erwähnter Gruppe nicht verständlich machen konnte, klinkte ich mich wieder aus. Sehr viel später, nach Korrespondenz mit einem der Moderatoren, versuchte ich es dann noch mal (diesmal kam es sogar zu einem kurzen Aufwallen von interessantem Gespräch, das aber sofort wieder verebbte. Klink mich aber nun nicht mehr aus, da mir dieses Gegruppel inzwischen ziemlich egal ist. Es wurde ein Anlaß geboten, Gedanken auszuformulieren, die ich sonst nicht ausformuliert hätte; und das ist zweifellos ganz nett; und veröffentlichen tu ich das nun in freier Wildbahn)

Bin wieder da.

War schon mal hier; da ich den Eindruck hatte, mich nicht verständlich machen zu können, klinkte ich mich – um nicht sinnlos als Fremdkörper herumzuhängen – nach einiger Zeit wieder aus.

Nach Korrespondenz mit A. hab ich mich nun, nach längerer Abwesenheit, entschlossen, es noch mal zu versuchen.

Knapp stichwortartig umrissen mein Zugriff zur BGE-Frage:

Wichtigste Ausgangspunkte, von denen ich herankam, sind

Das Postulat eines bedingungslosen Grundeinkommens scheint mir die logische Folge einer in der Natur der Sache liegenden Abkoppelung von Arbeit und Einkommen. Die lebendige Entwicklung und Weiterentwicklung dieser Gedankengänge dürfte nicht minder wichtig sein als das rein programmatische, pragmatische Arbeiten mit diesem Postulat; sogar scheint mir, daß ein rein aktionistisches Herumarbeiten mit Programmen ohne gedankliche „Hintergrundentwicklung“ auf Dauer zur Sterilität verurteilt ist.

Bei lebendigem Umgang mit diesen Gedanken lassen sich auch am ehesten Wege schlagen, unter gegebenen, dem BGE-Postulat nicht immer freundlich gesonnenen Bedingungen, selbige Gedanken in die äußere Realität zu verkörpern.

Eine lebendige Auseinandersetzung mit diesen Fragen scheint mir auch dort sinnvoll, wo aufgrund politischer Bedingungen an eine Durchsetzung des BGE-Postulats im großen Stil zunächst gar nicht zu denken ist. „Das Wort zerstört Beton“, wie Solschenizyn sich irgendwo ausdrückt. Oder, anders ausgedrückt: der Geist weht, wo er will.

Zusammen mit verschiedenen weiteren Sachen aus dem näheren und ferneren Umfeld des Themenkreises „Bedingungsloses Grundeinkommen“ wurden obige Anmerkungen in einer PDF-Datei zusammengefaßt, die man hier herunterladen kann.