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Vier Töpfe, Heinz Erhard und das Wirtschaftswunder

Unterhaltung zwischen

und

und 

Ernst Tirckl-Wolff

Raymond Zoller

Georg W. Lästerbacke

Raymond Zoller

Vier Töpfe auf dem Herd sind viel...
Die Hälfte wäre wen'ger


George W. Lästerbacke

sehr einleuchtend, diese Erkenntnis


Ein Passant

Das gilt auch umgekehrt!


Raymond Zoller

Du meinst, daß das Doppelte mehr wäre? Rein logisch ist das sicher richtig. Doch aber wäre es nicht die rechte Fortsetzung auf das mißbilligende "Vier Töpfe auf dem Herd sind viel"


Ernst Tirckl-Wolff

Vier Töpfe auf dem Herd sind viel...
Noch mehr wär' das Doppelte


Raymond Zoller

Kann man so sagen. Aber es iss ganz was anderes,

Und von der Poesie her stimmt es nicht. In einem Prosatext könnte man, in normaler Entwicklung des Inhalts, sagen: "Aber das Doppelte wäre noch mehr." Auf das "aber" und das "noch" kann man nicht verzichten; und "das Doppelte" muß, deutlich als Subjekt erlebbar, am Satzanfang stehen. Durch die Nachstellung erlebt man es prädikativ, und die Sache stimmt nicht mehr.


Ernst Tirckl-Wolff

Doch wenn ich die Betonung auf das "noch" vorverlege wird das "Doppelte" wieder deutlich zum Subjekt


Raymond Zoller

Dafür kommt der Rhythmus ins Stolpern.


Ernst Tirckl-Wolff

Kann man nix machen.... Das Dichterleben hat seine Tücken


Raymond Zoller

Richtig


George W. Lästerbacke

Daß ihr versucht, diese wunderbar reine Aussage durch verdiskussive Anarchie zu zerreden betrübt mich.


Raymond Zoller

War mehr ein internes Werkstattgespräch (Facebook ist für Ernst und mich ja unter anderem auch ein ausgelagertes Notizbuch). Ich merkte, daß irgendwas nicht stimmt; kurz darauf verstand ich auch, was warum nicht stimmt, und tippte selbiges Verstehen - wie es sich gehört: in Dialogform - gleich rein.


Ernst Tirckl-Wolff

So isses


George W. Lästerbacke

OK


Raymond Zoller

Da es sich um eine Gruppe handelt, wo man sich ernsthaft der deutschen Sprache widmen möchte, kann man zwischendurch auch mal was im Ernste sagen.... Höherer Blödsinn iss ja eine durchaus ernsthafte Kunst, die einen viel strengeren Umgang mit Rhythmus, Lautbild und logischem Hakenschlagen fordert als das Verfassen irgendwelcher tierisch ernster Abhandlungen; man merkt det nur nicht, wenn man sich diese Lockerheiten zu Gemüte führt (und wenn man es merken würde, wäre es nicht mehr locker). Wenn man klein wenig mit der Materie vertraut ist, wundert es einen auch überhaupt nicht, daß wirklich gute Clowns im Privatleben in der Regel sehr ernste Menschen sind.


Ernst Tirckl-Wolff

Eben


George W. Lästerbacke

bei Clowns fällt mir Popow ein, der soll nervtötend ernst gewesen sein ohne Kostüm. Eigentlich schade, wenn die gute Laune ein Kostüm benötigt, ich wär als Clown vermutlich grottenschlecht, weil ich oft etwas unernst bin.


Raymond Zoller

An Popov kann ich mich nicht erinnern. Um ihn in seinem Privatleben zu beurteilen müßte man natürlich auch die Umstände besser kennen; und auch sollte man wissen, von wem ein solches Urteil stammt. Popov lebte unter einem totalitären Regime; als Clown konnte er sich austoben; als Privatmann im Gespräch mußte er aufpassen, was er sagte. Solches kann bei einem intelligenten Menschen zu Verkrampfungen führen. - Von den guten kostümierten Clowns fällt mir Grock ein. Einen ausgezeichneten unkostümierten Clown hab ich vor vielen Jahren mal bei Roncalli gesehen; hab leider seinen Namen vergessen. Soll auch ein sehr ernster Mensch gewesen sein.

Echte Lockerheit benötigt einen Hintergrund aus diszipliniertem Ernst; sonst funktioniert das nicht.

Vor ein paar Tagen schaute ich mir ein Video an mit Heinz Erhard. Wirr aneinandergereihte Kalauer; fand ich überhaupt nicht lustig; eher nervig.


George W. Lästerbacke

Ja, das mit dem Lebenswandel unter totalitären Regimen ist natürlich richtig. Der Rest sei auch unwidersprochen. Mmh und Heinz Erhard, war halt so ein 50/60 Jahre Humor, ich schätze, der wurde eher von der Vorkriegsgeneration verstanden und geschätzt. Weil der Erhard war ja unbestritten ein Star damals. Dauersmiler und gute Laune Kanone, haben die Leute wohl gebraucht. Heute ist ja mehr boshafter, resignierter Humor in Mode. Humoristische statische Gesellschaftskritik, ist da noch die beste Quote, wenn man dann die von den privaten TV Sendern beförderte Comedy Wellen Surfer betrachtet, dann wird es nur noch platter.


Raymond Zoller

Im Zeichen dieses krampfhaften Humors - immer lustig und gut gelaunt - hat man damals das Wirtschaftswunder geschaffen, an dem man heute krampfhaft erstickt


George W. Lästerbacke

Gut gesagt


Ernst Tirckl-Wolff

Richtig


Raymond Zoller